Kröten-1996
14 000 Amphibien an Straßenübergängen vor Gefahren bewahrt
Beim Treffen der Amphibienschützer im Landkreis Bamberg wurden die Resultate des Jahres 1996 besprochen. Großen Erfolgen standen leider zahlreiche Probleme, Schwierigkeiten und Rückschläge gegenüber:
Gemeindeverwaltungen stellen sich zunehmend ihrer Verantwortung; in Treppendorf-Hirschbrunn und Priesendorf-Neuhausen genehmigen sie nächtliche Straßensperrungen zum Schutz der Amphibien.
   In Ummersberg-Busendorf und Unterköst-Hirschbrunn sind die Amphibienschützer gezwungen, selbst die Krötenzäune aufzubauen - eigentlich wäre dies Aufgabe der für die Straße verantwortlichen Behörden, in diesem Falle der Gemeindeverwaltungen.
   Dr. Jürgen Gerdes, der Naturschutzbeauftragte der Stadt Bamberg, berichtet von einem zahlreichen Vorkommen der Kreuzkröte auf einem sandigen Grundstück in Bamberg.  
   In Aufseß/Landkreis Bayreuth wurden in den vergangenen Jahren gehäuft Missbildungen an Erdkröten beobachtet. Als Ursache wurden Hundsegel ausgemacht, doch ist deren gehäuftes Vorkommen wohl ein Zeichen für eine noch nicht geklärte Umweltbelastung der Aufseß.
   In Waizendorf wurde durch großvolumige Tunnels unter der Straße den Amphibien ein gefahrloser Weg zum Laichgewässer eröffnet. Die nächtlichen Einsätze von Helfern erübrigen sich dadurch weitgehend.
   In Frensdorf-Obergreuth, Obergreuth-Reundorf und Untergreuth hat sich 1996 die Zahl   der Tiere gegenüber 1995 nahezu verdoppelt.
   Spitzenreiter der Statistik sind die Übergänge Unterköst-Hirschbrunn und Ummersberg-Busendorf mit jeweils über 2000 Tieren.
   Am Übergang Baunach-Godelhof wurden 39 Laubfrösche gefunden. Begründung: Die Krötenaktion endete 1996 wegen kalter Witterung erst Ende April. Zu dieser Zeit zeigen auch die Laubfrösche bereits Balzaktivität.
   In Ketschendorf-Seigendorf besuchte eine Kindergartengruppe das Laichbiotop. Ein Kind fiel ins Wasser und driftete ab. Jenny Struck, die Betreuerin des Überganges, musste das Kind mit einem Sprung ins eiskalte Wasser retten.
   Am Übergang Herrnsdorf ist ein massiver Schwund des Amphibienbestands zu beklagen: Waren es 1993 noch über 4000 Tiere, ist die Zahl 1996 auf nur noch 1100 Tiere gesunken. Eine der Ursachen ist die Verfüllung eines beachtlichen Teils des Laichbiotops - eines nach dem Art. 6 d des Bayerischen Naturschutzgesetzes geschützten Biotops.
   An der Autobahnabfahrt Bamberg Süd der A 73 wurde 1996 der vorhandene Amphibienschutzzaun stark verlängert. Er soll als Dauereinrichtung eine Einwanderung der Amphibien in das Regenrückhaltebecken zwischen Autobahn und Autobahnabfahrt verhindern.  
   Auf dem Gemeindeverbindungsweg Gräfenhäusling-Burglesau wurden zahlreiche Feuersalamander überfahren. Verursacher sind im Wesentlichen Wochenendtouristen, die den Weg als Straße missbrauchen. Die Amphibienschützer fordern, die Wegbenutzung nur Anwohnern und landwirtschaftlichen Fahrzeugen zu genehmigen.
   Die Knoblauchkröten in Kemmern sollen in ein Ersatzbiotop umgesiedelt werden.
Fränkischer Tag, 26. Februar 1997
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