Das Klonprojekt des südafrikanischen Krallenfrosches (Xenopus)
Bei Tieren, besonders gut aber beim Xenopus, lässt sich die Fähigkeit zur Regeneration nachweisen. Hier gelang in den sechziger Jahren erstmals eine so genannte somatische Befruchtung: Wenn man die Kerne aus differenzierten Darmzellen entnimmt und diese in kernlos gemachte Eizellen dieses Frosches verpflanzt, entstehen ganz normale Frösche.
Bei der Entwicklung dieser Tiere müssen Gene aktiv geworden sein, die in differenzierten Darmzellen inaktiv waren. Es mussten zugleich aber die für die Funktion als Darmzelle (Bildung von Schleim, Bildung von Verdauungsenzymen) tätigen Gene abgeschaltet worden sein. Dies beweist zum Einen, dass auch im Kern fertig differenzierter und somit spezialisierter Zellen noch alle für eine vollständige Entwicklung des Tieres notwendigen Gene - wie in einer normal befruchteten Eizelle (= Zygote) - vorhanden sind. Zum Zweiten zeigt das Experiment, dass das Cytoplasma Stoffe enthält, die die Tätigkeit der Gene regulieren.
Bei Säugetieren gelang dieses Projekt 1996 erstmals bei Schafen. Man nahm aus Euterzellen Kerne und übertrug sie in kernlos gemachte Eizellen, das man dann einem Schaf in die Gebärmutter einsetzte. In etwa 200 Versuchen gelang es, aus einer derartigen Eizelle ein gesundes Tier, das so genannte Klonschaf "Dolly" heranzuziehen.
Also enthalten auch im differenzierten Zustand alle Zellen mit Zellkern die gesamte genetische Information; deshalb spricht man von der Totipotenz der Zellen.
Die Zellen spezialisieren sich während der Entwicklung allmählich. In den verschiedenen Zelltypen werden jeweils unterschiedliche Gene in einer genau festgelegten Reihenfolge aktiv, andere Gene bleiben inaktiv; man spricht von einer differientiellen Genaktivierung.
Quelle: LINDER Biologie (1999), S. 339-340.
Heute wird das Klonen intensiv diskutiert; soll man es auch beim Menschen zulassen? Es scheint nicht mehr lange zu dauern, bis jemand ein entkerntes menschliches Ei mit Zellkernen aus seinen Mundschleimhautzellen "befruchten" und dieses Produkt in die Gebärmutter einer Frau einpflanzen lässt; nach 9 Monaten wird er/sie schließlich seinen eineiigen Zwilling in den Armen halten können. - Die Geschichte hat gezeigt, dass der Mensch alles, was ihm technisch machbar und finanzierbar erschien, auch in die Tat umsetzte, ohne moralische Skrupel!