Geburtshelferkroete
Alytes obstetricans
Geburtshelferkröte (Foto: Siggi Weid)

Kennzeichen
Färbung
   Oberseite: verschiedene Grautöne, häufig mit zahlreichen kleinen schwarzen Punkten
   schmutzigweiß, Kehle und Brust häufig grau gefleckt
Länge ca. 3-5 cm
Pupille senkrecht, schlitzförmig
Handballen mit 3 Höckern
Parotiden Ohrdrüsen (Parotiden) ähnlich wie bei der Erdkröte ausgebildet (fehlen bei Knoblauchkröte!)
Männchen zur Brutzeit mit Laichschnüren auf dem Rücken:
Geburtshelferkröte: Männchen mit Laichschnur
Ruf glockenartig ("Glockenfrosch"!)


Verbreitung in Deutschland
Zwei Verbreitungsgebiete:
a) Baden-Württemberg: Südschwarzwald
b) Mittelgebirge im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen (im Süden bis Bayern), Südniedersachsen, Westteile von Thüringen und Sachsen-Anhalt

Die Geburtshelferkröte erreicht in Deutschland (Sachsen-Anhalt, Thüringen, Bayern) die Westgrenze ihrer Verbreitung.

Verbreitung in Bayern:
in Bayern nur in Unterfranken (Hammelburger Gegend) vorkommend!

Häufigkeit im Landkreis Bamberg:
Fehlanzeige!

Lebensraum:
   Steinbrüche, Sand- und Kiesgruben
   Gemäuer, auch in Ortschaften
   Winterquartiere: tiefe Böden, feuchte Keller, Spalten im Gestein, Bauten von Nagetieren
   "Laich"-Gewässer: Gewässer unterschiedlicher Größe, oft in Steinbrüchen oder anderen Sekundärbiotopen (Biotope, die sich nach der menschlichen Nutzung eines Geländes ausbilden)

Lebensweise:
   gewöhnlich nachtaktiv
   Balzende Tiere rufen während des Tages und in der Nacht (tagsüber allerdings immer aus den Verstecken).

Ruf:
aus der Ferne glockenartig klingend ("Glockenfrosch"); aus der Nähe ähnelt der Ruf einem Funkton. Balzbereite Tiere können leicht durch menschliches Pfeifen zum Rufen animiert werden. (GÜNTHER 1996)
Ruf zum Abhören: http://www.amphibienschutz.de/amphib/gebuhekr.htm

Balz und Fortpflanzungsverhalten
   Balz: Ende März bis Anfang April
   Paarungsrufe angeblich auch von Weibchen: Wechselgesänge denkbar
   Weibchen:  2-3 Gelege/Jahr; jedes Gelege kann über 70 Eier umfassen.
   Die Paarung findet an Land statt.
   Männchen betreiben Brutfürsorge: Nach der Paarung wickelt sich das Männchen die Laichschnüre um die Hinterbeine und  trägt diese bis zum Schlüpfen der Kaulquappen etwa 2-3 Wochen mit sich herum;  so entstand vermutlich der Name Geburtshelferkröte.
   Ein Geburtshelferkröten-Männchen kann Gelege von bis zu vier Weibchen aufnehmen.
   Die geschlüpften Larven werden in einem Gewässer abgesetzt.

Die Eizahl der Geburtshelferkröte kann wegen der Brutfürsorge durch das Männchen relativ gering sein, denn sie bieten während der Tragzeit des Laiches den Eiern einen wirksameren Fraßschutz als beim freien Schwimmen im Wasser.
Klaus Janßen, der vor langer Zeit im Bergischen Land Geburtshelferkröten züchtete, korrigiert und ergänzt die aus der Literatur (NÖLLERT) übernommenen Informationen:
Die "Tragzeit" der männlichen Geburtshelferkröten ist nach seinen Beobachtungen deutlich länger; sie beträgt 4-5 Wochen. Die Paarung findet zweimal im Jahr statt.
Vor zwanzig Jahren war die Geburtshelferkröte im Bergischen Land so häufig, dass man an warmen Sommerabenden ihre Balzrufe wie fernes Glockengeläut hören konnte. Das Interessanteste: Mit zunehmender Nachtzeit wurden die Rufe synchron, so dass man bei Spaziergängen das Gefühl hatte, auf eine Kirche zuzugehen!


Larven:
   beim Absetzen im "Laich"-Gewässer bereits weit entwickelt (ohne äußere Kiemen!)
   Größe beim Schlüpfen: etwa 1,5 cm
   Metamorphose  im Jahr des Ausschlüpfens, doch kommt (vor allem in kälteren Regionen) auch Überwinterung der Larven häufig vor; in diesem Fall erfolgt die Metamorphose erst im April oder Mai des zweiten Lebensjahres.
   Länge der Kaulquappen bei der Metamorphose 5-10 cm; Überwinterer sind stets besonders groß.

Nahrung:
   Spinnen, Insekten, Asseln, Tausendfüßler
   Regenwürmer
   Nacktschnecken

Bei der Fortpflanzung hat etwa die Hälfte der Tiere keine Nahrung im Magen!

Feinde:
   Vögel
   Ringelnatter
   Feinde der Kaulquappen: Fische, Larven von Wasserinsekten (Libellen, Wasserkäfer)

Abwehrverhalten:
   Aufblähen des Körpers und Einziehen der Beine
   Starrezustand (Totstellreflex)
   Totstellreflexe auch bei Kaulquappen

Geschlechtsreife:
im zweiten oder dritten Lebensjahr

Höchstalter: 5 Jahre

Gefährdung durch
   Verbuschung oder falsche Renaturierung von Landlebensräumen (z. B. Steinbrüche und andere Rohbodenstandorte)
   zu hoher Fischbesatz im Laichgewässer

In Deutschland ist die Geburtshelferkröte in ihrem Bestand gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

(Informationen, wenn nicht anders angegeben, aus NÖLLERT 1992)

(Zusammenstellung: Jonas Seeberger)
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